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Peacebuilding

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Inhaltsverzeichnis

Die Ursachen und Folgen von Gewalt bearbeiten: Peacebuilding


Bei Peacebuilding handelt es sich um ein Konglomerat verschiedener Aufgaben, die darauf abzielen, Ursachen für gewaltsamen Konflikt abzubauen und seinen destruktiven Folgen entgegenzuwirken. Zu diesen destruktiven Folgen gehören Not, materielle Zerstörung, Zusammenbruch von Beziehungen, Hass gegenüber dem als Feind wahrgenommenen Gegenüber, Traumatisierung sowie oftmals die Schwächung oder gar der völlige Zusammenbruch staatlicher Funktionen. Peacebuilding schließt auch Tätigkeiten ein, die offen das Ziel verfolgen, politischen Wandel herbeizuführen.[1] Es wird oftmals vorwiegend in der Nachkriegsphase eines Konfliktes angesiedelt, wie auch seine deutsche Übersetzung Friedenskonsolidierung andeutet. Doch die Mehrzahl der zum Peacebuilding zu zählenden Aufgaben und Funktionen kommt auch in Zeiten vor einer gewaltsamen Eskalation zum Tragen, und es findet auch – mehr als man gewöhnlich denkt – in den heißen Phasen eines Konfliktes statt.[2] Es geht hier also nicht, das soll ausdrücklich betont werden, um die Beschreibung einer bestimmten Konfliktphase, sondern um die Wahrnehmung bestimmter Aufgaben oder Funktionen.

Im folgenden werden zehn Hauptkategorien solcher Aufgaben unterschieden. Jede von ihnen enthält wiederum eine Fülle von Ansätzen und Unterzielen:

1. Menschen zum Überleben helfen: Humanitäre Hilfe

2. Die Zahl von Waffen und Kämpfern einschränken: Abrüstung, DDR und Minenräumung

3. Die Schäden beseitigen und Menschen die Rückkehr ermöglichen: Wiederaufbau und Flüchtlingsrückkehr

4. Soziales Verhalten und soziale Beziehungen fördern, Menschen stark machen und ihnen helfen, Wunden des Krieges zu überwinden: Soziale und psychosoziale Arbeit

5. Ökonomische Entwicklung fördern

6. Gerechtigkeit schaffen: Übergangsjustiz und Vergangenheitsarbeit

7. Einen funktionierenden Staat schaffen: Staatsbildung und Demokratisierung

8. Zivilgesellschaft fördern

9. Friedensfähigkeit und Versöhnung fördern: Friedensarbeit

10. Normalisierung von Beziehungen und Kooperation in weiteren gesellschaftlichen Bereichen fördern: Förderung und Austausch in Wissenschaft, Kultur und Sport

Peacebuilding wird mehr als die anderen Friedensstrategien (Prävention, Peacemaking, Peacekeeping) getragen von einer Vielzahl von staatlichen wie nichtstaatlichen Akteuren. Es ist der Bereich, in dem zivilgesellschaftliche Gruppen am stärksten sind, und auch der Bereich, in dem sich in den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren am meisten verändert hat. Früher wurden viele der hier aufgezählten Aufgaben nicht in Zusammenhang mit Konfliktbearbeitung gebracht, sondern der Entwicklungszusammenarbeit, Humanitären Hilfe, Armutsbekämpfung oder staatlichen/zivilgesellschaftlichen Kooperationen zugeordnet. Dass sie hier im Kontext der Zivilen Konfliktbearbeitung benannt werden, soll nicht heißen, dass sie jetzt gewissermaßen für ein neues Ziel mit Beschlag belegt werden. Es geht allein darum, auszudrücken, dass alle diese Aufgaben von Relevanz für seine Bearbeitung sind, wenn ein gewaltsamer Konflikt besteht. Konfliktbearbeitung ist nicht nur das, was unten als Friedensarbeit skizziert wird. Die anderen materiellen und immateriellen Aufgaben, von Wiederaufbau bis zu staatlichen Reformen, spielen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung und Beilegung gewaltsamer Konflikte.[3]


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Menschen zum Überleben helfen: Humanitäre Hilfe


Die Hauptzielsetzung von Humanitärer Hilfe – Verteilung von Lebensmitteln, Kleidung und anderen lebenswichtigen Gütern, medizinische Versorgung, Unterhalt von Flüchtlingslagern und dergleichen – ist, Menschen das Überleben in einer Notsituation zu ermöglichen. Wenn diese Notsituation in einer hoch konfliktiven Situation entstanden ist, entweder direkt verursacht durch Krieg oder weil die von einer Naturkatastrophe betroffenen Menschen in einem Kriegsgebiet leben (man denke an den Tsunami von Dezember 2004, der u.a. Aceh und Sri Lanka traf), dann hat sie in jedem Fall einen Einfluss auf diesen Konflikt. Die Frage ist dann nur, ob die Hilfe diesen Einfluss ignoriert oder ob sie ihn zu nutzen sucht, um den Konflikt in positiver Weise zu beeinflussen oder ihn zumindest nicht ungewollt zu verschärfen.

Letzteres wurde von Mary B. Anderson unter dem Stichwort Keinen Schaden zufügen (Do No Harm) thematisiert. Do No Harm ist heute wie vielleicht ein Jahrzehnt früher gender (soziales Geschlecht) eines der Querschnittsthemen in der Humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit geworden. Schaden kann zugefügt werden zum einen durch Ressourcentransfers, wenn (z. B. durch Diebstahl oder Bestechung) Mittel an kämpfende Gruppen gelangen, die lokalen Märkte beeinflusst, Beziehungen in den Gemeinden verschlechtert oder lokale Ressourcen freigesetzt werden, die dann wiederum zum Kriegführen genutzt werden. Ebenso läuft Hilfe Gefahr, die Legitimität von Kriegführenden zu unterstützen, weil sie in der Regel deren Billigung benötigt, um in einem Kriegsgebiet zu wirken. Zum anderen können implizite ethische Nachrichten Schaden anrichten. Sie betreffen z. B. die Frage von Gewalt – wenn etwa Hilfsorganisationen ihre Güter durch bewaffnete Wächter schützen lassen, bedeutet dies, dass es legitim ist, Gewalt darüber entscheiden zu lassen, wer Hilfe bekommt. Oder wenn Personal vor Ort die Verantwortung für einen Missstand auf sein Hauptquartier schiebt, dann verstärkt dies die zumeist bereits vorherrschende Wahrnehmung von Hilflosigkeit.

Bsp. 7: Bosnien-Herzegowina

Auf der positiven Seite kann Humanitäre Hilfe als Instrument des Peacebuilding lokale formale und informale Strukturen und die Eigenverantwortung der Menschen vor Ort unterstützen, die lokale Wirtschaft stärken und Ungleichheiten abbauen. Ebenso ist sie in der Lage, Kooperation verfeindeter Gruppen und nachhaltiges Management von Ressourcen anzuregen und zu stärken und damit zur Vertrauensbildung und Konfliktbearbeitung beizutragen (Leonhardt 2001).


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Die Zahl von Waffen und Kämpfern einschränken: Abrüstung, DDR und Minenräumung


Die alte pazifistische Vorstellung, dass man Kriege dadurch verhindern kann, dass man ihnen die zu ihrer Führung notwendigen Ressourcen – Menschen und Waffen – entzieht, hat im Kontext der internationalen Konfliktbearbeitung sehr praktische Anwendungsformen gefunden.

Abrüstungs- und Rüstungskontrollprogramme sind, wie schon in der Sektion über Prävention erwähnt, Instrumente der internationalen Politik, um die Gefahr von Kriegen zu senken. Im Kontext von Bürgerkriegen im globalen Süden werden hier vor allem Kleinwaffen und leichte Waffen und deren weltweite Handelswege zum Thema gemacht.

Die weite Verbreitung von Kleinwaffen und leichten Waffen ist ein wesentlicher Faktor bei Unsicherheit, Gewaltverbrechen und Armut (OECD 2005). Ihre Präsenz kann Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, Infrastruktur (Kliniken, Schulen) und Märkten verbauen. Die durch sie verursachten Verletzungen können schwache Gesundheits- und soziale Systeme überfordern. Die Verfügbarkeit und den Missbrauch von Waffen einzuschränken ist daher ein praktisches Instrument bei der Verbrechens- und Krisenbekämpfung. Programme zur Kontrolle der Proliferation dieser Waffentypen können nicht nur eine nachhaltige Wirkung in Bezug auf die Verfügbarkeit dieser Waffen selbst haben, sondern auch eine Kultur der Gewalt transformieren, Sicherheit erhöhen und Raum für nachhaltige Entwicklung schaffen.

Bsp. 8: Kambodscha

Als Erfolg in dem Kontext der Abrüstungsvereinbarungen muss die gegen Ende 2008 in Norwegen geschlossene Vereinbarung zum Verbot von Streubomben und die 1997 in Ottawa geschlossene Vereinbarung zum Verbot der Antipersonenminen gesehen werden, der bis 2008 156 Staaten beigetreten sind.[4] Solche Übereinkommen ziehen nicht augenblicklich das Verschwinden des betreffenden Waffentyps nach sich, da die größten Produzenten und Anwender dazu neigen, ihnen nicht beizutreten. Dennoch sind sie ein wichtiger Schritt, weil sie den Druck auf die betreffenden Staaten erhöhen.

Wenn Kriege durch ein Abkommen beendet werden, dann stellt sich die dreifache Aufgabe der Entwaffnung, Demobilisierung und Re-Integration von Soldaten, in der Fachwelt öfters mit dem englischen Kürzel DDR (disarmament, demobilisation and reintegration) bezeichnet. Die Aufgabe des DDR gilt als diejenige, die als erste nach einem Friedensschluss in Angriff genommen werden sollte (Stedman 2002, Timilsina 2006). Hier ist besonders die schnelle Demobilisierung, d. h. die formale (vollständige oder teilweise) Auflösung militärischer Einheiten und auf der individuellen Ebene die Entlassung von Soldaten von Bedeutung. Dabei ist die Re-Integration früherer Kombattanten, die neben Vertrauen in den politischen Prozess auch erfordert, attraktive Einkommensmöglichkeiten zu schaffen und den Lebensunterhalt zu bestreiten, die effektivste Methode, Demobilisierung nachhaltig durchzusetzen.Wichtig ist dabei denjenigen, die demobilisiert werden, Sicherheitsgarantien zu geben, wozu auch Kriminalitätsbekämpfung gehört (Guinard 2002, Spear 2002, Specker 2008).

Ferner kann auch die Räumung von Minen und der Schutz vor ihnen, z. B. durch Trainingsprogramme der Bevölkerung zum Erkennen und Umgang mit Minen unter diese Unterkategorie des Peacebuilding subsumiert werden. Humanitäre Minenräumung, wie sie oftmals genannt wird, besteht aus drei Hauptaufgaben: Der Suche nach Minen und deren Räumung, der Versorgung und Rehabilitation der Opfer von Minen und Informationskampagnen über die Erkennung von Minen (mine awareness) (Faltas 2001).


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Die Schäden beseitigen und Menschen die Rückkehr ermöglichen: Wiederaufbau und Flüchtlingsrückkehr


Der materielle Wiederaufbau und die Rückkehr der Vertriebenen und Flüchtlinge sind zwei wesentliche Elemente der Bearbeitung der Folgen von gewaltsamem Konflikt. Besonders in langandauernden Kriegen geringerer Intensität finden sie oftmals schon statt, bevor an ein Ende des Krieges zu denken ist. In manchen Bürgerkriegsgebieten, wo seit zwanzig oder dreißig Jahren Krieg herrscht (Sri Lanka, Philippinen, Kolumbien, DR Kongo), sind Menschen im Laufe der Kriege oft schon mehrfach geflohen, zurückgekehrt, haben ihre Häuser wieder aufgebaut, nur um erneut fliehen zu müssen, wenn der Krieg wieder in ihre Region kam.

Sobald es zu einem Waffenstillstands- oder Friedensabkommen kommt, setzt dann der Wiederaufbau gewöhnlich verstärkt ein, und rasche Fortschritte in diesem Bereich helfen zweifelsfrei dabei, das Abkommen zu stabilisieren. Wenn Menschen eine rasche Verbesserung ihrer sozialen Lage wahrnehmen, glauben sie eher an den Frieden, als wenn sich erst einmal nichts oder nur weniges langsam ändert.

Wiederaufbau und Flüchtlingsrückkehr sind wie die Humanitäre Hilfe Aufgaben, die von staatlichen wie privaten Akteuren gleichermaßen in Angriff genommen werden. Es werden gewöhnlich beträchtliche finanzielle Mittel benötigt, um den Wiederaufbau zu finanzieren. In etlichen Konflikten haben internationale Geberkonferenzen über die Bereitstellung von solchen Mitteln entschieden, die dann entweder an die nationale Regierung weitergeleitet werden und/oder an internationale staatliche wie Nichtregierungsorganisationen gehen.

Bsp. 9: Kroatien (Pakrac)

Die Prinzipien des Do No Harm gelten auch beim Wiederaufbau. Wenn er falsch angegangen wird, kann er leicht neue oder alte Konflikte schüren – zum Beispiel, wenn Hilfsprogramme allein Rückkehrern zugute kommen und die Bevölkerung einer Gemeinde, die während des Krieges vor Ort ausgeharrt hat, außen vor gelassen wird. Oder wenn in ethnisch gespaltenen Gemeinden wichtige Ressourcen, z. B. ein Brunnen, nicht allen Gruppen gleichermaßen zugänglich sind (siehe z. B.: CDA – Collaborative Learning Projects 2006).

Was die Frage der Flüchtlingsrückkehr angeht, so gibt es die etwas provozierende Beobachtung von Adelman (2002), dass es keinen notwendigen Zusammenhang zwischen erfolgreicher Rückkehr von Flüchtlingen und Vertriebenen und dem Erfolg eines Friedensabkommens gibt, ja dass eine Rückkehr sogar konfliktverschärfend sein kann. Dasselbe gilt, sofern eine Rückkehr in einem Friedensabkommen vereinbart und dann nicht umgesetzt wird.

Es gibt etliche Projektansätze, die sich bemühen, die konfliktiven Konstellationen, die durch Rückkehr und beim Wiederaufbau entstehen, dadurch zu entschärfen, dass sie physischen Wiederaufbau mit Sozialarbeit und Friedensarbeit verbinden. In Kroatien und Bosnien-Herzegowina wurde in den 90er Jahren von dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP, inspiriert von der gerade erschienenen Agenda für den Frieden des damaligen UN-Generalsekretärs Boutros Boutros-Ghali (1992) der Begriff der sozialen Wiederaufbauprogramme entwickelt. Ungleich dem beschriebenen Beispiel aus Kroatien, dem ersten Projekt dieser Art, wird heute eher auf den Einsatz einer großen Zahl internationaler Freiwilliger verzichtet, aber der Grundgedanke, dass materielle Unterstützung ein Vehikel für Friedensarbeit sein kann, ist geblieben und wird vielerorts von großen und kleinen NRO praktiziert.


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  • Adelman 2002 (Flüchtlingsrückkehr nach Friedensschlüssen)


Soziales Verhalten und soziale Beziehungen fördern, Menschen stark machen und ihnen helfen, Wunden des Krieges zu überwinden: Soziale und psychosoziale Arbeit


Aktivitäten in dieser Unterkategorie des Peacebuilding befassen sich mit den immateriellen Folgen von Gewalt und Krieg für die Gemeinschaft und für die Individuen, die diese Gemeinschaft bilden. Ihre Ziele sind die Förderung sozialen Verhaltens und sozialer Beziehungen, Starkmachen (Empowerment) benachteiligter Gruppen und Hilfe bei der Überwindung gewaltbedingter Traumata. Dieser Bereich ist einer, der vorwiegend von nationalen und internationalen zivilgesellschaftlichen Organisationen wahrgenommen wird. Dazu gehören auch NRO (z. B. Zivile Friedensdienste), die sich auf Konfliktbearbeitung spezialisiert haben und die solche sozialarbeiterischen Ansätze als Vehikel wählen, um ihre Anliegen der Friedensförderung und Versöhnung zu transportieren. Oftmals wird er zudem auch mit Ansätzen materieller Hilfe verbunden, wie zwei der Bespiele in diesem Abschnitt illustrieren.

Eine besonders beliebte Zielgruppe solcher Programme sind Kinder und Jugendliche. Jugendliche stellen zum Ersten Opfer von Gewalt und Krieg und eine ausbeutbare Ressource dar (billige Arbeit, Kindersoldaten). Oftmals sind es zum Zweiten Jugendliche, die als Gewaltbereite einen Friedensprozess gefährden können, etwa wenn es demobilisierten Kindersoldaten nicht gelingt, sich in das zivile Leben zu re-integrieren. Auf der anderen Seite können Jugendliche wichtige positive Rollen in einem Friedensprozess spielen. Sie sind oftmals offener für neue Ideen, tragen u. U. weniger ideologischen Ballast mit sich als Erwachsene und werden als die nächste Generation die Verantwortung für die zukünftige Entwicklung ihrer Gesellschaft tragen. Dazu kommt oftmals eine Alterspyramide – im Kosovo ist z. B. die Hälfte der Bevölkerung unter 25 Jahre alt (Llamazares and Reynolds Levy 2003).

Bsp. 10: Bosnien-Herzegowina (Krizevici)

Schell-Faucon (2001) benennt eine Reihe von Ansätzen der Jugend- und Bildungsarbeit. Dazu gehören u.a.:

  • Kooperation von verschiedenen gesellschaftlichen Sektoren (Schule, Berufsbildung etc.);
  • Reform des Bildungswesens (wenn dieses bislang die Konfliktlinien deutlich wiedergab);
  • Erziehung in der eigenen Sprache ebenso wie das Erlernen von Fremdsprachen;
  • Reform oder Neuerstellung von Curricula, Prüfungs- und Lehrmaterial;
  • Schaffung partizipatorischer Strukturen (z. B. Schülervertretungen);
  • Workshops und Jugendlager;
  • Programme für Familien und die gesamte Gemeinschaft (z. B. Spielrunden für Kinder);
  • das Erzählen der eigenen Geschichte (story-telling);
  • sozio-ökonomische Programme, um Jugendarbeitslosigkeit zu vermeiden;
  • internationaler Austausch und
  • Aus-und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer.

Eine beliebte Projektform ist die Initiierung oder Förderung von Jugendtreffs oder -zentren. Wiederum sind die Länder des ehemaligen Jugoslawiens hier erstes Beispiel für eine Vielzahl solcher Einrichtungen, die seit den 90er Jahren geschaffen wurden. Sie verbinden gewöhnlich Freizeitaktivitäten mit dem Anspruch, Jugendliche aus den verschiedenen Konfliktgruppen zusammenzubringen. Kurschat (1998), der selbst in einem solchen Projekt des Friedenskreis Halle in Jaice (Bosnien-Herzegovina) gearbeitet hat, bezeichnet diese Art der Jugendarbeit als multi-ethnische oder multi-kommunale Sozialarbeit. Ihr Charakteristikum ist, dass Aktivitäten aus dem typischen Repertoire der Jugend-Sozialarbeit wie Sprach-oder Computerkurse, Freizeittreffs, Sport etc. dazu genutzt werden, Menschen über Konfliktlinien hinweg zusammenzubringen. Diese Art der Sozialarbeit schafft einen geschützten Raum, in welchem Jugendliche unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit zusammenkommen und gemeinsam spielen, lernen oder arbeiten. Das Ziel, Versöhnung zu fördern, wird dabei selten explizit gemacht, weil die Gefahr besteht, dass dies eher die Konfliktlinien verstärkt. Die Sozialarbeiter versuchen aber dafür zu sorgen, dass die Angebote offen bleiben für Mitglieder aller ethnischen Gruppen und von ihnen auch tatsächlich gemeinsam genutzt werden.

Bsp. 11: Liberia

Andere typische jugendbezogene Projektformen sind Konferenzen und Treffen von Jugendlichen, Zeitschriften oder Radios von und für Jugendliche, Feriencamps für Kinder und natürlich Bildungs- und Schulmaßnahmen sowie einkommengenerierende Tätigkeiten, einschließlich solcher für rückkehrende Kindersoldaten, für Straßenkinder etc.

Eine zweite Zielgruppe sind Frauen. Bei frauenspezifischen Programmen geht es in der Regel entweder um das Empowerment von Frauen, um einkommengenerierende Tätigkeiten oder um Traumabearbeitung, wobei diese drei häufig kombiniert werden. Unter Empowerment wird „ein komplexer und dynamischer Prozess [verstanden], der die kollektiven und die individuellen Fähigkeiten ebenso wie die Handlungsspielräume der Frauen erweitert. Dieser Empowermentprozess bewegt sich im Spannungsfeld von regionalen strukturellen Bedingungen und individuellen Wirkungsmöglichkeiten der Frauen. Durch die Projekte werden das Bewusstsein der Frauen sowie das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt. Dadurch können gesellschaftliche Stellungen reflektiert und eine Veränderung derselben angegangen werden." (Sieber 2004).

Bsp. 12: Bosnien-Herzegowina (Sanski Most)

Projekte und Programme in diesem Kontext reichen von Trainingsprogrammen über Arbeit mit Opfern von sexueller Gewalt, Alphabetisierung, Gesundheitserziehung, Berufsbildungsprogramme und Einkommensförderung bis zur Lobbyarbeit.

Psychosoziale Ansätze und Programme sind ein dritter Schwerpunkt in dieser Subkategorie des Peacebuilding, wobei auch sie oftmals Frauen oder Jugendliche, seltener Männer oder Ex-Kombattanten zur Zielgruppe haben. Zu ihnen zählen Entwicklung der Gemeinde, Stärkung von Netzwerken, Aufbau gegenseitiger Unterstützung, Beratung und intensive Psychotherapie (Agger et al 1999). Generell ist das Ziel solcher Hilfe, das seelische Wohlergehen zu fördern und damit Betroffenen zu ermöglichen, einen sinnvollen Alltag zu gestalten und Zukunft zu planen. Wichtig ist, dass es hier nicht immer nur um Traumatisierung im medizinischen Sinne geht (Posttraumatisches Stress Syndrom), sondern auch um andere psychologische Symptome und um den Umgang mit Trauer und Leiden im Allgemeinen (Becker 2004). Agger et al (1999) betonen, dass diese Arbeit, die sich mit Kriegs- und Gewalterfahrungen befasst, auch eine menschenrechtliche Dimension hat. Dies sei wichtig im Blick zu halten, um Eigeninitiative und Selbstbestimmtheit zu fördern und zu vermeiden, dass bei den Betroffenen und ihren Umfeld der Eindruck entsteht, dass sie verrückt seien. So ernst Traumatisierungen auch oftmals sind, so kann doch eine Klientifizierung von Menschen vermieden werden, die eine normale Reaktion auf abnormale Erfahrungen zeigen. Wie bei anderen Formen von Hilfsprogrammen sollte der Fokus auf der gesamten Gemeinschaft liegen, d.h. sowohl präventive Elemente als auch die der Unterstützung von Opfern von Menschenrechtsverletzungen beinhalten. Wenn spezielle Gruppen mehr Hilfe erhalten als andere, kann das zu neuen Spannungen führen.


Besonders bemerkenswerte Studien

  • Agger et al 1999 (Evaluierung von psychosozialen Projekten)
  • Schell-Faucon 2001 (Die Rolle von Bildung und Jugendarbeit bei der Konflikttransformation)
  • Sieber 2004 (Empowerment von Frauen)
  • Becker 2004 (Überblick über Ansätze der Traumabearbeitung im Konfliktkontext)
  • Kemper 2005 (Verschiedene Ansätze der konfliktbezogenen Jugendarbeit)


Ökonomische Entwicklung fördern


Die wirtschaftliche Erholung eines Landes hat sowohl eine präventive wie eine konfliktnachsorgende Dimension. Friedensabkommen befassen sich i. d. R. nicht mit wirtschaftlichen Fragen, obwohl diese oft als die eigentlichen Ursachen von Konflikt gelten. Woodward (2002) unterscheidet drei grundlegende Zwecke ökonomischer Hilfe nach einem Friedensschluss:

1. Wiederbelebung der Wirtschaft, um Vertrauen in den Friedensprozess zu erkaufen.

2. Finanzierung für die Implementierung spezifischer Verpflichtungen, die in dem Friedensabkommen festgehalten wurden. Internationale Ressourcen sind oftmals notwendig, um Ziele der Friedensabkommen wie Abrüstung oder Flüchtlingsrückkehr umzusetzen, Gehälter im neuen Staatswesen, Schulen, Kliniken usw. zu finanzieren und die Kosten einer Durchführung von Wahlen zu tragen.

3. Die ökonomische Basis legen, die gebraucht wird, um den Friedensprozess längerfristig zu stützen. Politische und ökonomische Institutionen müssen aufgebaut werden. Dazu gehören u. a. Legalisierung von Eigentumsrechten, ein Justizwesen, das diese schützen kann und die Unterbindung der Handelsrouten der Kriegswirtschaft (z. B. Waffenschmuggel)

Wesentlich bei wirtschaftlichen Hilfsprogrammen ist, dass sie auf dem aufbauen, was schon in dem Land vorhanden ist und dass sie so angelegt werden, dass sie keine neuen oder alten Ungleichheiten oder Ungleichgewichte zementieren. Besonders wo der Zugang zu Grunddienstleistungen und Ressourcen wie Bildung, Gesundheit oder Land fehlt, ist dies die große Gefahr (UNDP 2008)

Makro-ökonomische Programme, Kredite, technische Zusammenarbeit und andere Bereiche der klassischen Entwicklungszusammenarbeit (z. B. in Bezug auf Management natürlicher Ressourcen und Umweltschutz, siehe OECD 2005), Förderung von Landreformen und Handel sind Ansätze, die direkt auf das gesamte Land wirken.

Bsp. 13: Bangladesch

Eher auf der Basisebene setzen arbeits- und einkommenschaffende Aktivitäten an. Dies können die Bereitstellung von Werkzeugen, Saatgut oder Tieren, die Einrichtung von Werkstätten, Ausbildungsmaßnahmen und Mikrokredite sein. Unzählige einheimische und internationale NRO sind in diesem Bereich tätig, wobei sie manchmal solche Einkommensförderung mit anderen Ansätzen verbinden (z. B. Sozialarbeit).

Wie für die zuvor diskutierten Bereiche gilt auch hier, dass falsche Ansätze Konflikt schüren, und umgekehrt gute Ansätze zu Frieden und Versöhnung beitragen, z. B. indem sie Kooperation zwischen den verfeindeten Gruppen befördern. Dies gilt auch für privatwirtschaftliche Tätigkeit in Konfliktgebieten, deren Konfliktrelevanz zunehmend auf den Prüfstand gestellt wird (Böge et al 2006).

Eine besondere Herausforderung in diesem Kontext stellen sogenannte Gewaltökonomien dar (Spelten 2004). Darunter werden ein „Beziehungsgeflecht oder sozialer Raum bezeichnet […], in dem die Aneignung von Einkommen auf der Androhung oder Anwendung von Gewalt beruht." Kriegsökonomien zeichnen sich nach Fischer und Schmelzle (Hrsg., 2005) durch folgende Merkmale aus:

  • Die Zerstörung oder Umgehung formaler Wirtschaft durch das Wachstum von informellen Märkten und Schwarzmärkten, wobei die Grenzen zwischen formellen, informellen und kriminellen Aktivitäten verwischen.
  • Plünderung, Erpressung und Gewalt gegen Zivilisten wird von Kombattanten genutzt, um wertvolle Güter in ihren Besitz zu bringen, Handelsnetzwerke und Spenden der Diaspora zu kontrollieren und Arbeit auszubeuten.
  • Sie sind hochgradig dezentralisiert und privatisiert.
  • Kombattanten werden zunehmend abhängig von der Ausbeutung von Handel oder Naturrohstoffen.
  • Sie gedeihen durch grenzüberschreitende Netzwerke, regionale und ethnische Gruppen, Waffenhändler und Söldner wie durch legal operierende kommerzielle Akteure, die ein Interesse an der Fortsetzung von Konflikt und Instabilität haben.

Der Umgang mit solchen Gewaltökonomien ist bislang nicht befriedigend gelöst. Einigkeit besteht weitgehend darin, dass sie sich nicht alleine durch den Aufbau alternativer friedlicher wirtschaftlicher und sozialer Strukturen bekämpfen lassen, sondern aktiv unterbunden werden müssen. Möglich sind gezielte Maßnahmen gegen Akteure der Gewaltökonomie (z. B. durch die Weiterentwicklung rechtlicher Standards, polizeiliche Maßnahmen, gezielte Sanktionen gegen Schlüsselakteure); die Kennzeichnung bzw. Ächtung von Produkten und Dienstleistungen (z. B. die Ächtung sog. Blutdiamanten); und Maßnahmen einer globalen Ordnungspolitik (Vorschläge wie Kontrolle von Infrastrukturwegen oder die Deregulierung von Drogenmärkten, um die Gewinnspanne für Drogen zu reduzieren).

Grundsätzlich können unterschieden werden

1. Mechanismen, die die Verbindung dieser Ökonomien mit dem Weltmarkt zu treffen suchen (z. B. Sanktionen; Strafverfolgung, Kontrollmechanismen für einzelne Güter). Das Problem aller Kontrollregimes ist deren Umsetzung. Hier gibt es in allen Bereichen große Defizite.

Bsp. 14: Zentral- und Westafrika

2. Mechanismen, die die strukturellen Faktoren und die Entwicklung in den Ländern selbst angehen. Die Demobilisierung und Re-Integration von Kämpfern und die Förderung legaler Wirtschaftsaktivitäten sind hier besonders wichtige Aufgaben. Das Problem ist, dass Nachkriegsökonomien i. d. R. wenig legale Arbeit und Einkommensmöglichkeiten bieten.


Besonders bemerkenswerte Studien

  • Woodward 2002 (Ökonomische Prioritäten bei der Implementierung von Friedensschlüssen)
  • Spelten 2004 (Handlungsmöglichkeiten bei Gewaltökonomien)
  • Berghof Handbook 2005 (Hrsg. Fischer und Schmelzle)
  • OECD Ressourcen 2005 (Land, Mineralien, Umwelt, Wald und Wasser und Konflikt)
  • UNDP 2008 (Ökonomische Entwicklung nach Kriegsbeendigung durch Stärkung lokaler Kapazitäten)


Gerechtigkeit schaffen: Übergangsjustiz und Vergangenheitsarbeit


Die Vergangenheit eines gewaltsamen Konfliktes aufzuarbeiten, um den Übergang zu einer nachhaltig friedlichen Gesellschaftsordnung zu ermöglichen, ist das Ziel von dem, was als Übergangsjustiz (Transitional Justice) und Umgang mit der Vergangenheit (Dealing With the Past) bezeichnet wird (Buckley-Zistel 2007, Zupan und Servaes 2007, International Center for Transitional Justice 2008). Wesentliche Bereiche hier sind:

  • Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen: Menschenrechtsarbeit wurde schon oben unter dem Aspekt, dass sie Menschen konkret zu schützen sucht, besprochen. Darüber hinaus bzw. selbst dann, wenn ein solcher Schutz kurzfristig nicht funktioniert, ist die Dokumentation vergangener Untaten eine wichtige Basis, um die Täter über spätere Strafverfolgung zur Rechenschaft zu ziehen.
  • Strafverfolgung von Menschenrechtsverletzungen durch nationale oder internationale Gerichte oder Kriegstribunale. Beispiele hier sind der Internationale Strafgerichtshof und eine kleine Zahl spezieller Kriegstribunale, die für bestimmte Konflikte eingerichtet wurden (Ruanda, das ehemalige Jugoslawien, Sierra Leone, Kambodscha, Osttimor).
  • Wahrheitskommissionen sind nichtjuristische Institutionen, die dem Zweck dienen, Menschenrechtsvergehen der Vergangenheit aufzudecken. Dies geschieht zumeist durch die Anhörung von Tätern und Opfern. In manchen Fällen, z. B. Südafrika, dessen Wahrheits- und Versöhnungskommission gerne als Musterbeispiel benannt wird, kann dies auch mit einer Amnestie für bestimmte Tätergruppen verbunden werden.

Bsp. 15: Südafrika

  • Opferentschädigung bedeutet zumeist Sach-oder Geldleistungen durch die Täter oder durch den Staat. Neben ihrer materiellen Bedeutung kommt ihnen ein hoher symbolischer Wert zu: Das Leiden der Opfer wird anerkannt und als Unrecht bezeichnet.
  • Alternative Heilungsprozesse werden oftmals in Ergänzung zu einigen oder allen anderen Formen eingesetzt. Gerade wo die Zahl der Opfer so groß ist, dass letztlich fast die gesamte Gesellschaft betroffen ist, können symbolische Maßnahmen wie die Einrichtung von Gedenkstätten oder –tagen eine wichtige Rolle dabei spielen, auszudrücken, dass das Geschehene nicht vergessen werden soll.
  • Ebenso gehören in diesen Bereich alternative Ansätze, die von Basisgruppen der Gesellschaft verfolgt werden. Ein Beispiel ist die Arbeit mit Veteranen durch das Center for Nonviolent Action im ehemaligen Jugoslawien, ein anderes auf traditioneller Konfliktbearbeitung beruhende Tribunale auf Dorfebene, wie sie in Ruanda (Buckley-Zistel 2005) und Norduganda praktiziert werden. Im Unterschied zu Strafgerichtsprozessen liegt ihr Schwerpunkt auf der Wiederherstellung von Harmonie zwischen Opfern und Tätern durch symbolische oder effektive Sühneleistungen der Täter.
  • Menschenrechtsbildung ist ein wichtiger Aspekt, um den Bruch mit der Vergangenheit deutlich zu machen und den Wert von Menschenrechtsschutz zu demonstrieren.
  • Institutionelle Reformen (des Sicherheitssektors) und die Entwicklung neuer sozialer Beziehungen sind ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Sie werden in den folgenden Abschnitten über die Herstellung eines funktionierenden Staatswesens und über Friedensarbeit beschrieben.

Bsp. 16: Ehemaliges Jugoslawien

Die Frage von Übergangsjustiz und ihrer Rolle in Friedensprozessen wird kontrovers diskutiert. Wenngleich selten bezweifelt wird, dass längerfristig für einen nachhaltigen Frieden die Wiedergutmachung vergangenen Unrechts wesentlich ist, scheint in kürzeren Zeiträumen um oder kurz nach einem Friedensschluss das Bestreben nach Übergangsjustiz auch Gefahren in sich zu bergen. Die Furcht vor (Straf-)Verfolgung mag Vertreter von alten Regimen oder von Rebellenbewegungen zögerlich machen, einen Friedensschluss mitzutragen. Beispiel wäre die Auseinandersetzung um die Anklage des Führers der ugandischen Lord Resistance Army Kony durch den Internationalen Strafgerichtshof, die ein Stolperstein für die Unterzeichnung eines Friedensabkommens geworden ist. Auch gibt es in vielen Fällen Bedenken von Seiten der Opfer von Menschenrechtsverletzungen, dass die Täter durch Verfahren wie Wahrheitskommissionen straffrei und billig davonkommen oder dass sie als Opfer einem ungebührlichen Druck zur Versöhnung ausgesetzt seien. Thoms et al (2008), die verschiedene Fälle untersuchen, kommen zu dem Schluss, dass es weder für die Position, dass Übergangsjustiz generell Friedensprozesse stärkt noch für die, dass sie sie gefährdet, genügend Indizien gibt und dass es einer sorgfältigen Einzelfallanalyse bedarf, welche Instrumente in welcher Situation angemessen sind.


Besonders bemerkenswerte Studien

  • Kenny 2001 (Diagnostisches Monitoring von Menschenrechten)
  • Putnam 2002 (Menschenrechte nach Friedensschlüssen)
  • Thoms et al 2008 (Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle von Übergangsjustiz bei der Friedenskonsolidierung)


Einen funktionierenden Staat schaffen: Staatsbildung und Demokratisierung


Das, was mit dem Begriff der Staatsbildung (statebuilding im Englischen), Demokratisierung und der Herstellung von Rechtsstaatlichkeit (rule of law) umschrieben wird, gilt heute als ein sehr wesentlicher Teil des Peacebuilding. In frühen Programmen und der Literatur dazu oftmals vernachlässigt, ist es heute der vielleicht am intensivsten diskutierte Bereich im Peacebuilding (Call und Cousens 2007, Kritz 2007). Es handelt sich dabei um ein Aufgabenfeld, das sich sowohl nach Friedensschlüssen wie generell in solchen Ländern stellt, die als fragile oder versagende Staaten beschrieben werden.[5] Eine besondere Situation besteht dabei in den sogenannten Protektoraten (wie Bosnien-Herzegowina, Kosovo etc.), wo die internationalen Mächte zeitweilig die Entscheidungsgewalt über die Reformen übernehmen.

Bsp. 17: El Salvador


Kernziele der Staatsbildung sind die folgenden drei:

1. Sicherheit herstellen: Die Stärkung, Reform oder Schaffung von Institutionen, die Recht, Ordnung und Sicherheit sicherstellen (Reform des Sicherheitssektors). Dazu gehören neben dem, was oben als DDR beschrieben wurde, das Justizwesen mit einer funktionierenden und nach rechtsstaatlichen Prinzipien operierenden Polizei, unabhängige Gerichte und Anwaltschaft und humaner Strafvollzug, funktionierende Zoll-/Grenzkontrolldienste, Militär und Geheimdienste sowie jene Institutionen, die für die Beaufsichtigung dieser genannten Strukturen zuständig sind. Die Reform des Sicherheitssektors hat in der Literatur besondere Aufmerksamkeit gefunden.

2. Herrschaft legitimieren: Hier geht es um jene Institutionen und Verfahren der Entscheidungsfindung, die das Regierungssystem des Landes legitimieren. Im Einzelnen gehören dazu die Verfasstheit von Regierung und Parlament, deren Wahl nach demokratischen Prinzipien, ein Verfassungsprozess, eine klare Trennung von Staat und Parteien, Beschlussfassung zu Gesetzen in öffentlichen Verfahren und die Förderung von Zivilgesellschaft als einem Gegengewicht zum Staat. Die Unterstützung von (als demokratisch angesehenen) Parteien, die Organisation und Beobachtung von Wahlen, die Förderung von NRO und unabhängigen Medien sind einige der konkreten Maßnahmen in dieser Kernaufgabe. (Die Förderung von Zivilgesellschaft wird in dieser Bestandsaufnahme als eigener Unterpunkt behandelt.) Wahlen nach einem Friedensschluss sollen mehreren, manchmal widersprüchlichen Zielen dienen (Spear 2002): Sie sollen zum Ende des bewaffneten Konfliktes beitragen, indem sie den Schritt zu einer neuen gewaltlosen Ordnung symbolisieren. Zum Zweiten sollen sie zu Demokratisierung führen. Zum Dritten sind sie wichtige Meilensteine für internationale Interventen, weil sie diese z. B. davon überzeugen, Truppen für eine Peacekeeping-Mission oder größere Summen an Wiederaufbauhilfe bereitzustellen, und sie bieten einen Mechanismus für externe Mächte, die eine der Konfliktparteien unterstützt haben, sich zurückzuziehen. Widersprüchlich können diese Ziele z. B. werden, wenn Demokratisierung einen längeren Zeitraum erfordert, aber aus den anderen Gründen ein sehr schneller Wahltermin benötigt wird.

3. Wohlfahrt garantieren: Hierzu gehören u. a. die Fundamente für wirtschaftliche Erholung (Steueraufkommen), Förderung von freier Marktwirtschaft, Schaffung einer stabilen Umgebung für Investitionen und Herstellung der Fähigkeit des Staates, seine Bevölkerung mit Kerndiensten (Schulwesen, Sozialhilfe usw.) zu versorgen.

Bsp. 18: Slowakei

Carothers (1999) spricht von einer Demokratie-Schablone mit drei Kategorien: Wahlen, staatliche Institutionen und Förderung der Zivilgesellschaft. Seit seiner kritischen Untersuchung, die sich mit der Demokratieförderung durch die USA befasste, hat sich die Diskussion – ohne dass sich an den Kernaufgaben als solche viel geändert hätte – vor allem mit der Frage der Reihenfolge und Priorisierung der einzelnen Bereiche befasst. Schneckener (2008) unterscheidet vier Strategien, die alternativ verfolgt werden:

1. Liberalisierung zuerst (Demokratisierung und freie Märkte). Dabei wird die Theorie des demokratischen Friedens (nämlich dass demokratische Länder gegeneinander keinen Krieg führen) zur Grundlage gelegt. Diese Strategie wurde besonders von der Bush-Administration nach dem 11. September 2001 verfolgt.

2. Sicherheit zuerst: Demobilisierung, Sicherheitssektorreform, Training von Militär und Polizei, Gerichtswesen, Umwandlung von Kriegs- in Friedenswirtschaften, Kriminalitätsbekämpfung. Diese Strategie wird besonders von Großbritannien und teilweise von den Vereinten Nationen in ihren Peacekeeping-Einsätzen verfolgt.

3. Institutionalisierung zuerst: Stärkung legitimer und effektiver Strukturen auf nationaler wie auf lokaler Ebene, so dass diese essentielle Dienste versehen können. Diese Strategie wurde zum Teil entwickelt aus dem Versagen der Liberalisierung-zuerst-Strategie.

4. Zivilgesellschaft zuerst: Förderung von Parteien, Nichtregierungsorganisationen im weitesten Sinne und unabhängigen Medien.

Externe Akteure bei der Staatsbildung sind in erster Linie die Vereinigten Staaten (vergl. Carothers 1999) und die Europäische Union (vergl. Vinas 2004). Ebenso ist die OSZE hier aktiv, besonders im Bereich der Unterstützung von Parteien und Wahlen sowie der Reform des Sicherheitssektors.[6] NRO und Stiftungen sind hier auch zu finden, wobei diese oftmals sehr nahe mit den Regierungen oder großen Parteien ihrer Länder verbunden sind, wie etwa die deutschen parteinahen Stiftungen und das US-amerikanische National Democratic Institute und sein republikanisches Pendant, das International Republican Institute.

Staatsbildung ist kein neutrales, uneigennütziges Programm. Die externen Staatsbilder propagieren allgemein das Modell des westlichen, demokratischen Staates. Ihm liegt das Konzept des liberalen Friedens zugrunde (Richmond 2008): Frieden, Demokratie und freie Märkte.

Eine nicht sehr hohe Erfolgsrate bei der Staatsbildung und die ihr inhärenten Probleme (Schneckener 2008) haben dazu geführt, dass heute die Wichtigkeit der Aneignung der Reformbemühungen durch das Zielland (local ownership) betont wird, dass heißt, dass die angestrebten Reformen von den Menschen in dem jeweiligen Land gewollt und getragen sind. Es wird zunehmend erkannt, dass erzwungene Demokratisierung nicht funktioniert (Ottaway 2007).


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Zivilgesellschaft fördern


Es gibt viele Definitionen von Zivilgesellschaft. Allgemein anerkannt ist, dass sie einen eigenen Sektor neben Staat, Wirtschaft und Familie darstellt. Zu ihr gehören nicht nur NRO, sondern auch viele andere Formen von Gruppierungen (einschließlich Parteien, Gewerkschaften, religiösen Organisationen, Verbände) sowie soziale Bewegungen und deren Organisationen. Förderung von Zivilgesellschaft gehört konzeptionell zum Arbeitsfeld der Staatsbildung, da heute allgemein anerkannt ist, dass zu einem funktionierenden Staat auch eine lebendige Zivilgesellschaft gehört. Der Grund, warum sie hier trotzdem getrennt behandelt wird, ist schlicht die Vielfalt dieses Feldes.

Bsp. 19: Indien

Eine funktionierende Zivilgesellschaft kann fünf grundlegende Rollen wahrnehmen: Als Wachhund macht sie Regierende für ihre Handlungen verantwortlich bzw. kann diese letztlich auch stürzen, wie viele people power Bewegungen eindrucksvoll gezeigt haben. Zum Zweiten wirkt sie als Korrektiv gegen Machtmissbrauch und für den Schutz von Menschenrechten. Zum Dritten ist sie eine Quelle von Ratschlägen (z. B. für Peacebuilding) und zum Vierten kann sie die Rolle einer Vermittlerin/Ermöglicherin von Dialog und Verhandlung übernehmen. Und last but not least sind Zivilgesellschaften oftmals auch ein Kanal für Dienstleistungen, wenn die Regierung unfähig oder unwillig ist, grundlegende soziale Dienste wahrzunehmen (OECD 2005).[7]

Die Unterstützung von Zivilgesellschaft ist eines der Hauptfelder der Aktivität von internationalen NRO (u. a. des Zivilen Friedensdienstes) und staatlichen Geldgebern. Solche Förderung umfasst vorrangig die folgenden Elemente:

  • Finanzielle Zuwendungen und Sachmittel (z. B. Büroausstattungen, Papier und Druckerpressen für Medien etc.);
  • Entsendung von Freiwilligen oder Zur-Verfügung-Stellen von Fachpersonal (der Entwicklungszusammenarbeit oder des Zivilen Friedensdienstes;
  • Hilfe bei der Vernetzung und Schaffung von Dachorganisationen (z. B. Gewerkschaften) innerhalb des Landes;
  • Vernetzung über feindliche Grenzen hinweg;
  • Vernetzung zu internationalen Dachorganisationen oder gleichgearteten Gruppierungen aus anderen Konfliktgebieten (z. B. hat es mehrere Austauschprogramme dieser Art zwischen Kosovo und Nordirland gegeben);
  • Hilfe bei Kontaktaufnahme und Kooperation mit Behörden, Staat oder anderen einflussreichen Institutionen, zu denen lokale Gruppen schwer Zugang finden;
  • Schutzbegleitung von Aktivisten oder andere Maßnahmen zum Schutz gegen Übergriffe auf sie (siehe oben 2.3);
  • Trainings und Ausbildung, z. B. in gewaltfreier Konfliktbearbeitung, Management oder journalistischen Fachkenntnissen;
  • Förderung öffentlicher Debatten im Land;
  • Lobbyarbeit (advocacy) für ihre Anliegen im Ausland;
  • Andere Unterstützungsleistungen wie Übersetzungen, Einrichtung von sicheren Treffpunkten für lokale Gruppen etc.
  • Solidaritätsarbeit: Sie ist ein besonderer Fall, da es bei ihr um die direkte politische Stellungnahme und Förderung des Anliegens bestimmter Gruppierungen und deren politischer Ziele geht. Beispiel wäre die Unterstützung von Deserteuren und Kriegsdienstverweigerung über Grenzen hinweg oder gewaltfreier Bewegungen und Revolutionen. Oftmals wird sie wahrgenommen von Basisgruppen, die auch in ihrem eigenen Land ein eher spannungsreiches Verhältnis zu ihrer Regierung haben. Zudem mischen sich hier hinein auch direkt staatlich geförderte Initiativen (siehe das Beispiel zu Serbien).

Bsp. 20: Serbien


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Friedensfähigkeit und Versöhnung direkt fördern: Friedensarbeit


Friedensarbeit darf hier nicht als Synonym zu Konfliktbearbeitung missverstanden werden – alle Strategien und Aktivitäten der Zivilen Konfliktbearbeitung sind in einem weiteren Sinne Friedensarbeit. Und Versöhnung soll auch durch viele andere Projektansätze mit gefördert werden, zum Beispiel, indem diese so angelegt werden, dass sie die früheren Gegner in gemeinsame Aktivitäten einbeziehen oder sich um die Bewältigung der Vergangenheit auf rechtlichem oder psychologischem Weg bemühen. In dieser Unterkategorie geht es allein um jene Ansätze, die gewissermaßen Frieden pur betreiben, d. h. nicht mit anderen materiellen oder immateriellen Dienstleistungen verbinden. Dies sind in erster Linie Dialogprojekte und Trainings in Friedensfähigkeiten.

Bsp. 21: Israel

Akteure in diesem Bereich sind in der Regel Mitglieder der nationalen oder internationalen Zivilgesellschaft – staatliche Akteure treten hier zumeist allein in der Rolle als Zuwendungsgeber auf. In Deutschland sind es besonders die Träger des Zivilen Friedensdienstes, die sich diesem Bereich – neben anderen Ansätzen der Friedensförderung – verschrieben haben.

Der aus der christlichen Theologie stammende Begriff der Versöhnung wird oft benutzt und hat Eingang in die Sprache der internationalen Geldgeber gefunden, ist aber in der Regel nicht klar definiert. Er stellt zugleich ein Ziel und einen Prozess dar (Bloomfield 2006). Der Mennonit und Konfliktbearbeiter John Paul Lederach (1997) spricht von Versöhnung als dem Ort, wo Frieden, Gerechtigkeit, Vergebung und Wahrheit zusammenkommen. Oftmals wird Versöhnung aber auch in einem eingeschränkteren Sinne als all das verstanden, was Menschen dazu bringt, wieder zusammen zu leben und zu arbeiten.

Ein Instrument hierfür sind Begegnungen und Dialoge. Im Unterschied zu den im Abschnitt über Peacemaking beschriebenen Dialogen geht es dabei nicht um die Entwicklung alternativer Lösungsansätze für den Gesamtkonflikt, sondern um die Förderung von Verständnis füreinander (Rothman 1998, Ropers 2004). Zielgruppen solcher Begegnungstreffen können alle Altersgruppen sein, wobei Kinder-und Jugendbegegnungen besonders beliebte Aktivitäten sind. Ebenso haben oftmals Trainings in Konfliktbearbeitung diesen Dialogaspekt, nämlich wenn sie in gemischten Gruppen stattfinden.

Ein spezielles Feld im Bereich des Dialoges ist der interreligiöse Dialog. Er wurde von Smock (2002) schlicht als Treffen von Menschen unterschiedlichen Glaubens zum Zweck, ein Gespräch zu führen definiert. Damit will er ausdrücken, dass interreligiöser Dialog nicht nur zwischen religiösen Spezialisten stattzufinden braucht, sondern auch eine Sache normaler Menschen ist. Thema interreligiösen Dialogs sind i. d. R. die unterschiedlichen Glaubensinhalte und Praktiken; sein Ziel ist gegenseitiges Verständnis und Toleranz.

Ein weiteres großes Feld von Friedensarbeit sind verschiedene Formen von Trainings in konflikt- und friedensrelevanten Themen. Solche Trainings sind eine der am häufigsten praktizierten Methoden, die internationale wie einheimische Organisationen als Medium der Friedensarbeit einsetzen. Bei ihnen geht es wie bei anderen Bildungsmaßnahmen darum, Menschen neue Ideen und Fähigkeiten zu vermitteln.

Bsp. 22: Niger


Typische Inhalte solcher Trainings sind:

  • Identität, Selbstschätzung, persönlicher Umgang mit Konflikten;
  • Management von Gruppenprozessen (Entscheidungsfindung, Teamarbeit und Führungsrollen);
  • Dialog, Vorurteilsreduzierung, Versöhnung;
  • Methoden der Konfliktanalyse;
  • Spezielle Methoden der Konfliktbearbeitung, wie Gewaltfreie Kommunikation oder Mediation;
  • Falls die Trainings mit lokalen Aktivisten stattfinden: gewaltfreie Aktion, Kampagnenarbeit, Protest und Organisation von Widerstand;
  • Dazu kommen oftmals spezifische Themen wie Analyse der Medien oder des weiteren politischen Feldes, Menschenrechte, Geschlechterbeziehungen, Gemeindeentwicklung, Fundraising, psychologische Beratung usw. ;
  • Spiritualität spielt oftmals – abhängig von den Trainern – eine große Rolle;
  • Trainings für Multiplikatoren: Das Modell ist hier i. d. R., dass ein westlicher Trainer oder eine westliche Trainerin eine Gruppe von Personen zusammenbringt und ausbildet, die dann in ihre Gemeinschaften zurückgehen und dort entweder ihrerseits Trainings durchführen oder das Gelernte auf andere Art und Weise (z. B. im praktischen Umgang mit Konflikten) anwenden. Zunehmend übernehmen aber auch nichtwestliche Netzwerke, z. B. das westafrikanische Netzwerk WANEP oder das Lebanese Conflict Resolution Network (LCRN) die Rolle von solchen regionalen Trainingsanbietern.


Ein weiteres Instrument der Friedensarbeit können Medien sein. An dieser Stelle geht es dabei nicht um die Förderung von Medien generell (diese wurde im letzten Abschnitt unter Förderung von Zivilgesellschaft behandelt), sondern um die gezielte Schaffung von Radio- oder Fernsehprogrammen oder die Gründung von Zeitungen und Zeitschriften, die friedensrelevante Themen bearbeiten. Besonders aktiv in diesem Bereich ist die internationale NRO Search for Common Ground.

Bsp. 23: Indonesien


Besonders bemerkenswerte Studien


Normalisierung von Beziehungen und Kooperation in weiteren gesellschaftlichen Bereichen fördern: Kooperationen im Kultur-, Sport- und Wissenschaftsbereich


Kooperationen im Kultur-, Sport- und Wissenschaftsbereich können eine Rolle im Peacebuilding spielen, sofern sie bewusst in diesem Kontext eingesetzt werden. In der Regel dürfte auf sie allerdings mehr als auf alle anderen Aktivitäten der Goodhandsche Begriff des um einen Konflikt herum arbeiten zutreffen – Konflikt im Partnerland führen oftmals eher dazu, dass Aktivitäten ausgesetzt werden, als dass sie als Mittel der Konfliktbearbeitung verstanden und entsprechend eingesetzt werden.

Auf der positiven Seite gibt es hier:

  • Städtepartnerschaften organisieren Begegnungen, was im deutschen Kontext oftmals als ein Beitrag zu Versöhnung für die Verbrechen des Naziregimes und 2. Weltkriegs gesehen wird. In manchen Fällen führen sie auch zur Organisation von Humanitärer Hilfe, falls der Partner in Not gerät. Ein Beispiel dafür war die belgisch-schweizerische Initiative Causes Communes, ein 1993 geschaffener Zusammenschluss von Gemeinden zum Zweck der Flüchtlingshilfe in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien.
  • Bilaterale Freundschaftsgesellschaften, Parlamentariergruppen und dergleichen arbeiten auf ähnliche Weise in Unterstützung ihrer Partner.
  • Sport- und Kulturaustausch können ebenfalls zum Peacebuilding beitragen, wenn z. B. Kulturschaffende oder Sportler aus dem Zielland gefördert werden, was zum einen zur Normalisierung der Gesellschaft beiträgt und zum anderen, sofern solche Förderung bewusst über ehemalige Konfliktgrenzen hinweggeht, auch einen Beitrag zu Kooperation und Versöhnung leistet.
  • Kooperationen im Wissenschaftsbereich sind oftmals sehr effektiv beim (Wieder-)Aufbau von Hochschulen und universitärer Bildung und Forschung in Nachkriegszeiten.

Bsp. 24: Naher Osten



  1. Das Berghof Handbuch definiert wie folgt: „As a generic term it does cover all activities intent on building and promoting peace and overcoming violence. A long-term process that seeks to positively alter structural contradictions, improve relations between the conflict parties, and encourage overall constructive changes in attitudes. May also refer to activities connected with economic development, social justice, reconciliation, empowerment of disadvantaged/strategic groups, and humanitarian support. Applicable to all conflict stages, levels, and mainly to Tracks 2 and 3.“ (Berghof Handbook 2001: V)
  2. Die Autorin hat viele Beispiele für das hier Gesagte für den Raum des ehemaligen Jugoslawiens in den 90er Jahren gesammelt (Schweitzer 2009).
  3. Diese umfassende Sichtweise ist heute zumindest von staatlicher Seite weitgehend unumstritten (Venro 2003, OECD Development Assistance Committee (Hrsg) 2005 und Serwer & Thomson 2007).
  4. Zu ihm hat wesentlich das Engagement der internationalen Zivilgesellschaft beigetragen; die Internationale Kampagne für das Verbot der Landminen erhielt dafür 1997 den Friedensnobelpreis. Ein Kurzabriss der Geschichte der Kampagne kann gefunden werden bei http://www.handicap-international.de/landminen/landminenkampagne.html. Siehe auch http://www.landmine.de [10.12.2009]
  5. Es werden oft unterschieden:
    - Schwache/fragile Staaten (weak states), die Defizite in mindestens eine der drei Dimensionen von Sicherheit, Wohlfahrt und Legitimation haben
    - Versagende Staaten (failing states), die die Sicherheit ihrer Bevölkerung nicht gewährleisten können (z. B. weil Rebellen einen Teil ihres Territoriums kontrollieren)
    - Zusammengebrochene/kollabierte Staaten (failed states), die in keiner der drei Dimensionen funktionieren (Schneckener 2008).
  6. In der Reform des Sicherheitssektors sind außerdem wichtig die OECD, Vereinten Nationen, Weltbank, und das Geneva Centre for the Democratic Control of Armed Forces (McFate 2008).
  7. Dies bedeutet nicht, dass Zivilgesellschaft automatisch gut ist – gesellschaftliche Gruppen und Medien können auch wesentliche Faktoren bei der Verschärfung von Konflikten bis hin zu nationalistisch motivierten Pogromen sein.



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